Interview zu Twitter – Wertvoller Austausch oder Unnötiges Gelaber?

Am Anfang war das Wort. Stets lag es dabei an uns, ob wir es als mächtige Waffe, emotionale Mitteilung oder sachliche Erklärung verwenden, die Wissen weiterträgt, Menschen bewegt, die Kommunikation zu einem Netzwerk um den Globus verwebt. Oder man verbreitet eben hochkarätigen Nonsense. Bei Facebook werden täglich mehrere 100 Terrabyte an Informationen ausgetauscht, seit kurzem kann man selbst via Instagram DMs verschicken, doch der Meister der Kurznachrichten ist immernoch Twitter. Die Methode per „Tweets“ einen auf 140 Zeichen limitierten Text in die Öffentlichkeit zu zwitschern, beweist durch ca. 288 Millionen aktive Nutzer seine Beliebtheit, birgt aber auch Gefahren sich in einem dunklen Zeitloch zu verzetteln. Alexander stellte neulich auf seinem Blog Internetblogger.de ein paar Fragen in den Raum, welche Ansichten wir denn so zum Thema „Twitter“ haben. Fullmoondarling stand natürlich Rede und Antwort und ist ebenso gespannt, welche Gedanken ihr so zum blauen Vögelchen hegt.

Alex: Nutzt ihr Twitter und seit wann? Wie seid ihr auf Twitter gekommen, aus purem Zufall, aus Langeweile oder gar mit voller Absicht?
Chery: Twitter war für mich lange Zeit uninteressant, sodass ich mich nicht wirklich näher damit auseinandersetzte. Als dann der Relaunch des Online Mags ins Rollen kam, änderte sich das Neugierlevel natürlich von Null auf Hundert, wie ‘ne billige Tütenbrühe, die sich spontan in ein 5 Sterne Süppchen verwandelt. Startschuss zu Twitter fiel am 3.August 2015 – in voller Absicht.

Alex: Falls ihr Twitter nicht nutzt, aus welchem Grund?
Chery: Tun wir. Ich kann allerdings nach wie vor sehr gut die Entscheidung verstehen es nicht zu nutzen, so wie ich meinen persönlichen Account auch schon mal entfernte, weil ich kein Teil dieses Mediums mehr sein wollte. Was man bezüglich der Kommunikations- und Themendynamik mitbekommt, kann die Plattform unglaublich toxisch sein. Kein cooles Britney Spears toxic, sondern mehr der getippte, menschliche Abgrund toxic.

Alex: Erzählt mal, wo bei Twitter seid ihr zu finden und einige Sätze zu eurem Twitterdasein?
Chery: Kennst du die Szene aus American Psycho, in der Patrick „Hey, Paul.“ sagt? So hab ich geguckt, als ich feststellte, dass der Blogname dort bereits vergeben war. Damn! Aber durch einen kleinen Trick schlüpfte unser Account doch noch aus dem blauen Ei. Dort twittere ich über News aus Nerdville, verlinke Beiträge, poste Fotos und halte die Leser auf dem Laufenden.

Alex: Welche Twitter-Desktop-Tools und Smartphone-App setzt ihr ein? Mir ist ein Online-Tool namens HootSuite bekannt, kennt ihr das?
Chery: Einen Verwaltungs-Touch in das Webkauderwelsch zu bringen ist sicher hilfreich, da sollte ich gewiss mal drüber gucken. Twitter läuft zuhause ganz unspektakulär auf dem Desktop-Browser, am Smartphone mit der App, damit man mobil ist. Wäre doch unzumutbar, wenn man sich unterwegs in der Nase bohrt und das keinem sofort mitteilen kann. Ich hab keinen Vertrag und bewahre mir gern die „netzfreie“ Unabhängigkeit. Aber das Interface ist via App doch deutlich praktischer.

Alex: Wo verbringt ihr mehr Zeit, auf Twitter, Facebook, Google Plus, Pinterest oder gar Xing?
Chery: Aktuell schätze ich mal Facebook, auch wenn ich schon lange mit dem Gedanken spiele auch dort auszusteigen. Google Plus dient gelegentlich für Artikel-Reichweite und Pinterest für eigene Interessen, beide werden demnach besucht, doch führen wir eher so eine „Ich schreib mal am Geburtstag ‘ne Karte“-Beziehung. Xing schummelt sich mit neuen Kontakten und Events immer mehr in meinen Alltag, während Twitter nach wie vor auf dem letzten Platz bleibt.

Alex: Was hat euch Twitter alles gebracht, was konntet ihr damit realisieren bzw. schon erreichen?
Chery: Da ich erst seit August bei Twitter bin, habe ich noch keine wirklichen Berge versetzen können, zumindest keine die nicht aus Hollywood-Pappwänden beständen. Sehr gute Resonanzen haben wir aber zum Beispiel über unsere wachsenden Follower bekommen, das hat mich positiv überrascht. Ein paar Artikel-Tweets haben es in andere Magazine geschafft oder wurden von diversen Usern gefeatured, weil der Content so gut ankam. Immer wenn jemand das Fave-Sternchen setzt, fühle ich mich in die Schulzeit versetzt, wie ich da mit meinem monströsen Rucksack sitze und einen Sticker auf meine Rechenaufgabe kriege. 😀

Alex: Nehmt ihr am FollowerFriday teil oder ist es euch gleich?
Chery: Da muss ich mir ein bisschen mit roten Wangen die Kaputze ins Gesicht ziehen, denn ich habe noch nie was davon gehört! An sich eine schöne Idee, aber die meisten Blogger die ich toll finde, sind nicht bei Twitter angemeldet oder haben Strohaccounts, die inaktiv sind. Nichtsdestotrotz lässt sich bestimmt der ein oder andere Liebling dadurch hervorheben!

Alex: Bekommt ihr Traffic aus Twitter auf euren Blog?
Chery: Nja. So ein paar einzelne Autos.

Alex: Kennt ihr einen Twitterer persönlich und offline?
Chery: Klar, einige sogar. Darunter sind ein paar Freunde und Studienkollegen, aber auch Bloggerkontakte, mit denen ich persönlich zu tun hatte. Der Löwenanteil begrenzt sich jedoch auf Online-Bekanntschaften oder Magazine/Agenturen/Internetpersönlichkeiten, die mich interessieren oder zum Themenaustausch des Projektes passen.

Alex: Euer Fazit, was muss über Twitter noch gesagt werden?
Chery: Ehrlich gesagt hält sich meine Begeisterung für Twitter in Grenzen. Der Feed lässt im Turbogang hunderte Texte an einem vorbei rasen, die Hälfte davon sind belanglose TV-Serien-Kommentare und verwackelte Katzenfotos, der Rest ist schon wieder für Neues verschwunden. Es wird von Kuriositäten berichtet, die nur einen Atemzug lang aktuell sind und dann stehen gleich 10 andere Trends auf der Matte. Wenn man Twitter als ein internationales Archiv für Zeitgeschehen betrachtet, setze ich ihm ohne zu zögern die Krone auf.
Es ist unverfälscht, ehrlich, von realen Personen weltweit und spiegelt die Meinungen der Menschen wider. Um die Reichweite seines Projektes zu verbessern, Aktivismus durch Hashtags zu fördern oder seinem Unternehmen einen persönlichen Anstrich zu verpassen, mag es durchaus hilfreich sein, aber für den täglichen Konsum oder tieferen Austausch ist es meiner Meinung nach nicht geeignet, vor allem wenn man sich anschaut wie die Dramaszene Streiterein immer wieder in diesem Rahmen austrägt. Gut fände ich es übrigens, wenn es sowas wie eine “Extra-Sparte” nur für die Hashtags gäbe, denn eine sinnvolle Ansage und passende Tags in einen Satz quetschen – oft ein kompliziertes Unterfangen.

Vielen Dank nochmal an Alex 😉

Fotos: Chery, Tú Ahn

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4 Comments

  • Alex L

    28. September 2015

    Hallo Chery,
    vielen lieben Dank für deine Teilnahme, die ich sehr gern gelesen habe. Also bist du noch nicht allzu lange bei Twitter, aber vielleicht ändert sich ja dein Empfinden, wenn Jahre vergehen, das weiss man nicht so genau oder…

    Jedenfalls auch interessant zu wissen, dass du mehr auf Facebook und Google unterwegs bist und die Pinterest-Community magst. Leider habe ich persönlich für Pinterest kaum etwas übrig und da ich kaum eigene Fotos, eben nur die aus Rostock und die habe ich in einer Onlinegalerie, für Pinterest habe, erübrigt sich der Einsatz dieses Dienstes für mich. Aber vielleicht kann es eines Tages damit etwas werden. Sehen wird denn mal.

    Ja, beim FollowerFriday kann man sich gegenseitig empfehlen und das Ganze wird dann mit dem Hashtag #FF begleitet. Ich machte da früher sehr oft mit, aber auch das hat nachgelassen und mich hat auch keiner mehr empfohlen. Daher habe ich es auch mit der Zeit sein lassen. 🙂

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  • Ralph

    28. September 2015

    Hallo Chery,

    sehr witzig und charmant geschrieben.
    Respekt dafür!

    Beste Grüße

    Ralph

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    • Chery

      28. September 2015

      Dank dir Ralph 🙂
      Lieben Gruß zurück,
      Chery

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